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<title>Schnatte</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Schnatte</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Eine <b>Schnatte</b> bezeichnet in der <a href="Pelzbranche" title="Pelzbranche">Pelzbranche</a> das länglich aufgerissene Oberleder (<a href="Epidermis_(Wirbeltiere)" title="Epidermis (Wirbeltiere)">Epidermis</a>) eines <a href="Fell" title="Fell">Felles</a>, auch als <i>Narbenbruch</i> beschrieben. Sie entsteht durch Überdehnen während der Verarbeitung, entweder beim Entpelzen (Abziehen) der Felle durch den Trapper, Jäger oder Züchter, beim Gerben durch den <a href="Pelzzurichter" class="mw-redirect" title="Pelzzurichter">Pelzzurichter</a> oder beim Abstrecken oder <a href="Zwecken" title="Zwecken">Zwecken</a> durch den endverarbeitenden <a href="K%C3%BCrschner" title="Kürschner">Kürschner</a>, insbesondere wenn das Leder vorher nicht ausreichend lange durchfeuchtet wurde (es „fatten lassen“).<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Allgemein">Allgemein</h2></div>
<p>Schnattige Felle stellen ein erhebliches Problem bereits für den Zwischenhandel dar. Die Schnatten sind häufig beim Einkauf der <a href="Rohfell" title="Rohfell">Rohfelle</a> nicht zu erkennen, beziehungsweise ist es nach dem Zurichten nicht mehr zu bestimmen, ob die Felle bereits schnattig waren, oder ob der Zurichter nicht mit der nötigen Sorgfalt gearbeitet hat. Es kommen bei breitschwanzartigen Fellen durch übergroße Schnattigkeit in Einzelfällen Ausfälle bis zu 50 Prozent des Einkaufs vor.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Meist stören die länglichen Aufbrüche des Oberleders das Aussehen des Pelzbekleidungsstückes, und die Schnatten werden deshalb vom Kürschner durch eine Reparatur beim sogenannten <a href="Anbrachen" title="Anbrachen">Anbrachen</a> entfernt. Schnatten können vereinzelt auftreten oder in größeren Flächen, dicht nebeneinander. Während gröbere Fellschäden, insbesondere Risse, oft schon vom Pelzveredler behoben werden, obliegt die Reparatur der Schnatten immer dem den <a href="Pelz" title="Pelz">Pelz</a> herstellenden Endverarbeiter.<sup id="cite_ref-Dietzsch/Häse_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Dietzsch/Häse-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Manche Fellarten werden leichter schnattig als andere. Besonders anfällig sind beispielsweise <a href="Schaffell" class="mw-redirect" title="Schaffell">Schaffelle</a>, vor allem die dünnledrigen Felle kleiner Lämmer, insbesondere alle Arten von <a href="Breitschwanzfell" class="mw-redirect" title="Breitschwanzfell">Breitschwanzfellen</a>, <a href="Persianerfell" class="mw-redirect" title="Persianerfell">Persianerfellen</a>, <a href="Astrachanfell" class="mw-redirect" title="Astrachanfell">Astrachanfellen</a>, <a href="Buenolamm" title="Buenolamm">Buenos</a>, aber auch gewöhnliche Schaf- und Lammfelle,<sup id="cite_ref-Pelzlexikon_XXI_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Pelzlexikon_XXI-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> sowie gelegentlich <a href="Fohlenfell" title="Fohlenfell">Fohlenfell</a>, <a href="Rindshaut" title="Rindshaut">Kalbfell</a> und beispielsweise seltener auch das <a href="Nutriafell" title="Nutriafell">Nutriafell</a>.<sup id="cite_ref-Dietzsch/Häse_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-Dietzsch/Häse-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die wenig moirierten, flach- und geringhaarigen Galjakfelle des russischen Persianers „mit Schnatten oder anderen Defekten“ wurden für den Handel „aus der höchsten Sorte in die niedrigste eingestuft“.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Begriff Schnatte kommt unter anderem in der Mundart um <a href="Rottweil" title="Rottweil">Rottweil</a> vor und meint dort eine Schnittwunde.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Schnatten-Reparatur">Schnatten-Reparatur</h2></div>
<p>Die Schnatte, die ja keinen völligen Durchriss des Leders darstellt, ist zumeist von der Lederseite aus durch eine geringe Unregelmäßigkeit in der Struktur zu erkennen.<sup id="cite_ref-Pelzlexikon_XXI_4-1" class="reference"><a href="#cite_note-Pelzlexikon_XXI-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Rohfelle werden beim Einkauf meist gegen das Licht gehalten, um eine eventuelle Schnattigkeit herauszufinden. Das Prinzip kann bei <a href="Pelzzurichtung" title="Pelzzurichtung">zugerichteten</a> (gegerbten) Fellen auch mit einem Lichtkasten genutzt werden, auf dem die durchscheinenden Schnatten sichtbar werden.<sup id="cite_ref-Dietzsch/Häse_3-2" class="reference"><a href="#cite_note-Dietzsch/Häse-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Üblich ist es, beim Anbrachen die Felle in der Hand vorsichtig, Zentimeter für Zentimeter in Quer- und Längsrichtung leicht zu kniffen. Ein amerikanischer Kürschner beschreibt sein Vorgehen etwas spezieller:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ein einfaches und sicheres Mittel, um die Felle auf Schnatten zu prüfen, ist es, mit dem ausgestreckten Zeigefinger über jedes einzelne Fell zu streichen, beginnend am Kopf und hinunter zum Pumpf. Führen sie das Fell langsam zwischen Daumen und Zeigefinger durch und biegen sie es dabei leicht. Knicken Sie die Häute niemals scharf zurück, […] denn wenn Sie auf diese Weise Schnatten finden wollen, ist es nur allzu wahrscheinlich, dass schnell weitere Schnatten entstehen.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Samuel Raphael: <i>Advanced Craftmanship</i>,<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span></div></div>
<p>Bei nicht zu dünnem und zu flachem Haar werden die Schnatten mit dem <a href="K%C3%BCrschnermesser" title="Kürschnermesser">Kürschnermesser</a> aufgeschnitten. Dies kann entweder von der Haarseite geschehen oder von der Lederseite, wenn die Schnatte sich dort ausreichend abzeichnet. Die Lederkanten werden vor dem <a href="Pelzn%C3%A4hen" title="Pelznähen">Zusammennähen</a> von den unbehaarten Rändern mit der Schere gesäubert. Dann werden sie, qualitativ am besten mit einer Handnaht, oder schneller mit der <a href="Pelzn%C3%A4hmaschine" class="mw-redirect" title="Pelznähmaschine">Pelznähmaschine</a>, wieder geschlossen.
</p><p>Bei dünnem Leder mit gering behaartem Fell (<a href="Galjak" class="mw-redirect" title="Galjak">Galjak</a>, russischer, iranischer und afghanischer Breitschwanz) würden die genähten Schnatten meist hässliche Nähte ergeben. Hier zeichnet man die Schnatten auf dem Leder an, nachdem man zuvor mit Stecknadeln ihren Verlauf von der Haarseite aus markiert hat. Mit flachen, handgenähten Stichen, die das Leder nicht ganz durchdringen, werden die aufgerissenen Kanten mit einer kurzen, feinen Nähnadel in der Art einer <a href="Sto%C3%9Fnaht_(Pelz)" class="mw-redirect" title="Stoßnaht (Pelz)">Stoßnaht</a> wieder vereint. Bei kräftigeren Fellen genügt eventuell eine Pelzmaschinennaht, ebenfalls ohne die Schnatte vorher aufzuschneiden. Manche Felle weisen gelegentlich auch größere Flächen auf, in denen viele Schnatten beieinander liegen (Schnattenfelder). Wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist auch diese Felle zu verwerten, werden bei feinen Breitschwanzfellen diese Stellen gestopft. Mit Handnähten werden dabei die einzelnen Schnatten ebenfalls durch flache Stiche auf der Lederseite zusammengezogen, es liegt hierbei flächig Stich für Stich über- und nebeneinander.<sup id="cite_ref-Dietzsch/Häse_3-3" class="reference"><a href="#cite_note-Dietzsch/Häse-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Insbesondere bei kräftigeren Fellen werden größer verschnattete Stellen besser ausgewechselt.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Stark verschnattete Schaf- und Lammfelle sollten für mit dem Leder nach außen zu tragende Pelze (Velours-, Nappalan-Pelze) möglichst nicht verwendet werden, da jede Reparatur auf der Außenseite sichtbar wäre. Inwieweit Schnatten auch mit modernen, wasser- und reinigungsbeständigen Klebstoffen geschlossen werden können, wurde in der Literatur bisher wohl noch nicht beschrieben.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Cracks_(fur)?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Schnatten</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="K%C3%BCrschnerei_in_D%C3%BCsseldorf#Pelze_Toursel" title="Kürschnerei in Düsseldorf">Rudolf Toursel</a>: <i>Verarbeitung eines Breitschwanzmantels</i>. </span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Auskunft Herr Homm, Firma Mayer & Cie., Frankfurt am Main und Zürich, 11. Juni 2018. </span>
</li>
<li id="cite_note-Dietzsch/Häse-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Dietzsch/Häse_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Dietzsch/Häse_3-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Dietzsch/Häse_3-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Dietzsch/Häse_3-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text">August Dietzsch, Kurt Häse, Paul Schöps: <i>Das Anbrachen</i>. In: <i>Das Pelzgewerbe</i> Nr. 2, 1956, Verlag Dr. Paul Schöps, S. 62–63, 65–66.</span>
</li>
<li id="cite_note-Pelzlexikon_XXI-4"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Pelzlexikon_XXI_4-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Pelzlexikon_XXI_4-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text"><a href="Alexander_Tuma" title="Alexander Tuma">Alexander Tuma</a>: <cite style="font-style:italic">Pelz-Lexikon. Pelz- und Rauhwarenkunde, Band XXI</cite>. Alexander Tuma, Wien 1951, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>123–124, Stichwort „Schnatten“</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schnatte&rft.au=Alexander+Tuma&rft.btitle=Pelz-Lexikon.+Pelz-+und+Rauhwarenkunde%2C+Band+XXI&rft.date=1951&rft.genre=book&rft.pages=123-124%2C+Stichwort+%E2%80%9ESchnatten%E2%80%9C&rft.place=Wien&rft.pub=Alexander+Tuma" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Allgemeiner Standard Karakul reinrassig roh schwarz</i> (ohne Titel, Überschrift des 1. Kapitels). Hektografierte, undatierte Übersetzung aus dem Russischen, S. 34. Wohl Ergänzung zu <i>Rauch- und Pelzwaren.</i> Standardisierungskommitee der U.D.S.S.R. beim Rat für Arbeit und Verteidigung (Kollektion G. & C. Franke).</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/stream/jstor-40844948/40844948_djvu.txt">Birlinger: <i>Sprachvergleichende Studien im Alemannischen und Schwäbischen</i> (Fortsetzung)</a>. Zuletzt abgerufen am 7. Mai 2018.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB&lemid=S14485"><i>Schnatte.</i></a> <i>Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</i>, Bd. 15, Sp. 1195. Abgerufen am 13. August 2024.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Samuel Raphael: <cite class="lang" lang="en" dir="auto" style="font-style:italic">Advanced Fur Craftmanship</cite>. Fur Craftmanship Publishers Inc., New York 1948, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>71</span> (englisch).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schnatte&rft.au=Samuel+Raphael&rft.btitle=Advanced+Fur+Craftmanship&rft.date=1948&rft.genre=book&rft.pages=71&rft.place=New+York&rft.pub=Fur+Craftmanship+Publishers+Inc." style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Rudolf Toursel: <i> Buenolamm-Mantelverarbeitung</i>.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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